27.07.2022 we did it đȘ
- Rita Juri
- 27. Juli 2022
- 5 Min. Lesezeit
Im Whatsapp-Chat ging heute frĂŒh bereits die Post ab. Yunus schrieb mir, die Baufirma möchte heute schon losfahren und morgen mit der Bohrung in Rakaj beginnen. Da ich am Samstag auf einer Familienfeier eingeladen bin, und anwesend sein muss, wenn ich schon hier in Uganda bin, ist es mir nicht möglich, morgen nach Rakaj und am Freitag wieder zurĂŒckzufahren. Ihr erinnert euch, die Fahrt dauert beinahe 5 Stunden. Aus diesem Grund haben wir uns fĂŒr den Termin am Montag entschieden, da haben alle Zeit.
Ich ĂŒberlegte hin und her, Yunus meinte, lass sie fahren, dann werden sie die Baustelle bis Freitag kommender Woche bereits fertiggestellt haben und wir mĂŒssen kein zweites Mal hin. Mein BauchgefĂŒhl zweifelte. Ich kenne diese Firma nicht, weiss nicht wie sie arbeiten, ich kenne Yunus nicht wirklich, die Kultur nicht, eigentlich nichts und niemanden hier so richtig. Ich fĂŒhle mich verantwortlich, ich bin es letztlich auch, dass die Spendengelder entsprechend eingesetzt werden und ich Bescheid weiss, was, wann und wo geschieht damit. So entschied ich mich gegen den Baustart morgen und fĂŒr mein BauchgefĂŒhl und mein BedĂŒrfnis, das Projekt von A â Z zu begleiten. Wir fahren am Montag, die Baufirma am Sonntag.
Ich tue mich irrsinnig schwer, auch in meinem sonstigen Leben, Entscheidungen auf Grund meines BachgefĂŒhls zu treffen. Einfacher ist es, faktenbasiert, argumentreich zu entscheiden. Vielleicht lerne ich hier, mit meinen 51 Jahren, mich endlich und einfach auf mein BauchgefĂŒhl zu verlassen? Ohne Argumente, Rechtfertigungen, endlosen ErklĂ€rungen, Entschuldigungen, einfach nur, weil ich es so spĂŒre?
Heute gingen wir mit Mama Mariam fĂŒr ihren neuen Shop einkaufen. Auch sie hatte ein Budget von 500,000 UGX (131 âŹ), welches sie in meinen Augen super investiert hat. Sie baut ebenfalls auf frisches GemĂŒse, sie macht aber auch Ciabatti, das ist sowas wie Fladenbrot, nach Bedarf gefĂŒllt mit Ei, Tomaten und Zwiebel, das nennen sie hier dann Rolex. Auch FrĂŒchte hat sie eingekauft, sie ist sehr preisbewusst und feilscht um jeden Schillingđ. Sie freut sich und ist stolz, dass sie bald schon ihren eigenen Shop eröffnen wirdđ€©đ€©.
Als wir nach dem Einkauf bei ihr ankamen, hat sie sofort begonnen, ihre Ernte aufzubauen und den Shop zu eröffnen, keine 10 Minuten spĂ€ter kam ihre erste Kundin đ€©.
Dann war der Termin mit der Direktion der Schule, ich hatte echt weiche Knie und wusste nicht, wie wir zum Ziel kommen werden. Das vorbesprochene, definierte Ziel war, dass ihre 3 Ă€lteren Kinder ab dem kommenden Term (September) wieder zur Schule gehen, und auch in der Schule bleiben. Die JĂŒngste muss sich noch gedulden, das wird sich finanziell noch nicht ausgehen. Hanna und ich besprachen, als erstes versuchen wir auf MitgefĂŒhl zu setzen, dass die Kinder vorest kostenlos zur Schule gehen können. Wenn das nicht erreichbar ist, dann zu reduziertem Schulgeld, der letzte Schritt, sie bezahlt 2 und das 3. Kind geht gratis, obwohl dies echt teuer wĂŒrde.
Es beruhigte mich, eine Frau anzutreffen (nein, ich bin nicht mĂ€nnerfeindlich, aber in gewissen Bereichen ist es hilfreich zu wissen/erahnen, wie das GegenĂŒber fĂŒhlen/denken/funktionieren könnte). Alice ist Head-Teacher der Government School Jjanyi.
Sie meinte, sie kennt die Mutter und deren Familiengeschichte, es tue ihr auch sehr leid, aber sie könne leider nichts machen. Nun wĂŒrde es noch schwieriger ab kommendem Term, denn die Erhöhung der SchulgebĂŒhr sei frappant: Primary 1 â 2: 75,000 UGX, Primary 3 â 4: 120,000 UGX, Primary 5: 130,000 und Primary 6 â 7: 150,000 UGX per Term, dies seien die Preise inkl. FrĂŒhstĂŒck und Lunch. Mariams Kinder sind in der zweiten, dritten und vierten Primary, das bedeutet, sie hĂ€tte Total 315,000 UGX (83 âŹ) per Term zu bezahlen, was ihr vermutlich niemals möglich sein wird, es gibt ja auch noch ein 4. Kind.
ZusĂ€tzlich sei Mama Mariam verpflichtet, so Alice, fĂŒr jedes der Kinder die Schuluniform, die Sportuniform, zusĂ€tzlich einen Sweeter und fĂŒr Boys zusĂ€tzliche 10,000 UGX (ich weiss nicht mehr fĂŒr was das war) zu bezahlen, dies zu je 50,000 UGX, macht 150,000 pro Kind. Eine Frechheit, wenn ihr mich fragt. Ich liess Hanna und Alice reden, Alice suchte nach ErklĂ€rungen und Hanna verfiel ins Betteln. Alice blieb hart. Ihr seien die HĂ€nde gebunden. Ich nutzte die Zeit um zu rechnen, was realistisch wĂ€re, wieviel Mariam in der Lage sein könnte, zu bezahlen per Term fĂŒr ihre 3 Ă€lteren Kinder.
Dann holte ich Luft. Ich erzĂ€hlte ihr, wer ich bin, dass ich auch einmal sowas wie ein Head-Teacher einer Schule war und dass ich wisse, welch enorme Belastung und Verantwortung auf ihren Schultern liege. Dann liess ich sie wissen, dass ich eine Hilfsorganisation grĂŒnden werde, mein Fokus jedoch auf der Hilfe zur Selbsthilfe liege. Es helfe nicht wirklich und verĂ€ndere nichts wirklich nachhaltig, wenn ich Mariam die Verantwortung abnehme und das Schulgeld fĂŒr sie bezahlen werde, denn dann sei sie einfach nur abhĂ€ngig. Ich informierte sie zu dem Shop, den wir ihr eingerichtet haben, um sich aufzurappeln und um selbstĂ€ndig zu werden. Sie wird aber, zumindest am Anfang, nicht in der Lage sein, mehr als 50,000 UGX pro Kind zu bezahlen.
Alice schĂŒttelte energisch den Kopf und meinte, das sei unmöglich, das sei nicht mal die HĂ€lfte des ordentlichen Gesamtbetrages. Ich redete auf sie ein und meinte, dieses Geld bekĂ€me sie auf sicher, ohne dem hinterherzulaufen, zu Start von jedem Term. Sie schwankte einen Moment, ich nutzte die Gelegenheit und offerierte ihr, dass ich jetzt und heute die Schuluniform, das Sportdress plus das erste Term, pro Kind 50,000 UGX, bezahlen werde, auf den Sweeter bin ich nicht eingegangen. Dies unter der Bedingung, dass sie das Schulgeld fĂŒr das ganze Jahr nicht erhöhen wird fĂŒr diese 3 Kinder. Im kommenden Jahr werde ich zurĂŒckkommen, sie aufsuchen, damit wir eine neue Vereinbarung treffen können. Ich versprach ihr nichts zu dieser neuen Vereinbarung, nur dass wir gemeinsam schauen, wo Mama Mariam dann stehen wird und was sie in der Lage sein wird, zu bezahlen.
Ich nahm das Geld hervor und zĂ€hlte ihr 450,000 UGX (120 âŹ) heraus. Dann sah ich sie fragend an und wartete. Sie streckte mir ihre Hand entgegen â€ïžâ€ïžâ€ïž!
Yes, we did it!!!! Was fĂŒr ein grosser Tag fĂŒr Mama Mariam und ihre Kinder (und auch ein wenig fĂŒr mich)â€ïžâ€ïžâ€ïž.
Hanna hat mir versprochen, ein besonderes Auge auf sie zu werfen, wenn ich weg bin. Mariam ist ja doch noch sehr jung mit ihren 27 Jahren und von GeschĂ€ften und Geld auf die Seite legen hat sie bestimmt nicht viel Ahnung. Ich hoffe sehr, dass sie diese Chance nutzen kann und wird. FĂŒr sich, aber auch fĂŒr ihre Kinderâ€ïž. Versprochen hat sie es mir zumindest. Wir werden sehen und hoffen.
UPDATE SĂŒdafrika:

Sandi ist in ihren Ferien zu ihrer Mam nach Johannesburg gefahren. am 15. Juli hĂ€tte sie zurĂŒck in Hermanus sein sollen, da dann Schulbeginn ist. Am 12. Juli hatten wir den letzten Kontakt. Meine Nachrichten kamen nicht mehr an bei ihr, von den Power-Girls wusste auch niemand etwas. Ich war richtig beunruhigt. Heute habe ich Crezelda gebeten, bei ihrer Oma vorbeizugehen um herauszufinden, was los ist. Crezelda berichtete mir, dass die Oma komplett verzweifelt ist, weil die Mama offenbar kein Geld hat, um Sandi ein Ticket zurĂŒck nach Hermanus zu kaufen. Seit Beginn letzter Woche hĂ€tte Sandi in der Schule zurĂŒck sein mĂŒssen. Ihre Mama hat mir damals, bevor Sandi gefahren ist, versichert, dass alles seine Richtigkeit hat und sie dafĂŒr sorgen wird, dass ihre Tochter rechtzeitig zurĂŒck sein wird. Papperlappapp....sowas verantwortungsloses, aber wirklich....Von Sandis Oma haben wir die Nummer von Sandis Mama bekommen, ich schrieb ihr sofort, keine Antwort. Jedoch war Sandi heute plötzlich online und schrieb mir, sie möchte so gerne zurĂŒck, aber sie wisse nicht wie. Kurzerhand habe ich beschlossen, der Oma das Geld fĂŒr Sandis Ticket zu schicken, damit Sandi wieder zurĂŒck in die Schule und zu ihrer geliebten Oma kannâ€ïž.
Und schon sind wieder zwei kleine Welten ein klein wenig besserâ€ïž.
Gut gebrĂŒllt Löwe, oh sorry in....đđđ. So muss es sein. Keine Almosen, das GefĂŒhl, stolz auf eigene Erfolge helfen da bedeutend mehr, wenn das dann nicht zur Gier ausartet.